Klangmaschinen von Studierenden der angewandten Kunst

Die gezeigten Arbeiten, die an der Universität für angewandte Kunst / Abteilung digitale Kunst (Leitung Virgil Widrich) im Seminar von Filip/Kirisits entstanden sind, demonstrieren deutlich wie fruchtbar es sich, gerade im Bereich der apparativen Kunst auswirken kann, wenn man sich mit Historischem auseinandersetzt. Die Ausstellung „Zauberhafte Klangmaschinen“ zeigt eindrucksvoll das breite Spektrum der technischen Innovationen des vorigen Jahrhunderts und inspirierte die Studenten dadurch zu Neuem. Das innovative Moment in ihren Arbeiten bestand im Freilegen des Aktuellen, das sich durch die Auseinandersetzung mit der historischen Medienkunst eröffnete. Gezeigt haben sie damit, dass die Konstante der apparativen Kunst nicht automatisch die neueste Technologie sein muss. Die Idee des Apparativen liegt vielmehr im Poetischen des Apparates selbst. Vier der im Seminar entstandenen Arbeiten, (die Arbeiten von Andreas Haider, Robert Mathy, Jan Perschy und Kathrin Stumreich) wurden ausserdem im Finale des Guthman Musical Instrument Wettbewerbes an der Georgia Tec in Atlanta / USA präsentiert.

Als „Erweiterung“ der Ausstellung „Zauberhafte Klangmaschinen“ werden folgende Arbeiten vorgestellt:

SGSX-H 750

Jan Perschy

Die SGSX-H 750 ist ein Synthesizer auf der Basis des Hammondorgel Tonrad Systems.
Die Tonerzeugung wird wie die der Hammond von Tonrädern übernommen, in meinem Fall sind dies die Zahnräder eines SUZUKI GSX-R 750 Getriebe. Es wird über jedem Zahnrad ein Tonabnehmer platziert. Der Durchmesser, die Zahnzahl und die Drehzahl beeinflussen die Frequenz des Tons. Das Interface besteht auf der einen Seite aus einem Keyboard – mit so vielen Tasten wie Tonräder. Auf der anderen Seite eine Reihe von Tremolo Erzeugern, die durch jedes Tonrad beeinflusst werden können. Um das Interface des Getriebes einzubeziehen, wird der Schalthebel dazu verwendet, das Frequenzband zu erhöhen oder zu verkleinern, wobei der tiefste Ton immer gleich bleibt. Mit der Kupplung kann die Geschwindigkeit der Zahnräder, durch lösen, beeinflusst werden.

Stofftonband

Kathrin Stumreich

Kompositionen von Kleidungsstücken wie Damenunterwäsche , Herrenhemden, Kleider und Hosen etc. lassen uns erstmalig die Beats und Sounds spielen und hören, die wir bisher nur zu tragen gewagt hatten. Das Instrument besteht aus einer Objektinstallation, spielbar für zwei Personen. 2 Stoffloops, jeweils 5 Meter lang, bestehen aus einer Komposition verschiedener Textilien und bewegen sich über mehrere motorbetriebene Rollen an dem Objekt entlang durch den Raum. Die Klangerzeugung erfolgt über Lichtsensoren, die das vom Stoff unterbrochene Licht in ein Audiosignal umwandeln. Wesentlicher Parameter für die Klanggeneration ist die Textur des Stoffes. Webart, Transparenz, Maschendichte und Nahtposition werden vom Sensor erfasst und als Klang bzw. Rhytmus generiert. Durch verschiebbare Sensoren können die verschiedenen Spuren des Stofftonbandes gespielt werden.

Light Frequency Fingertips

Robert Mathy

Light Frequency Fingertips besteht aus vier mit Fototransistoren ausgestatteten Fingeraufsätzen. Mit den an Zeigefinger und Daumen, an beiden Händen befestigten Sensoren, können Lichtfrequenzen in Audiosignale transformiert werden. Handydisplays unterschiedlicher Modelle fungieren als Soundquellen. Durch subtile Fingerbewegungen werden die differenzierten Lichtfrequenzen der Displays in Klänge unterschiedlicher Tonhöhe und Lautstärke verwandelt. Zusätzlich zu den Handybildschirmen kommen noch andere leuchtende Elektrogeräte, wie zum Beispiel blinkende Fahrradrücklichter (welche rhythmische Sounds erzeugen), zum Einsatz.

Picture Discs: Icons

Bernhard Garnicnig

Ein Technics MK1210 Turntable wurde um einen Lichttonabnehmer erweitert. Soundfiles werden über Software in eine graphische Darstellung umgewandelt, auf einem handelsüblichen Drucker ausgegeben und von der Apparatur wieder zurück in Sound verwandelt. Über diesen Umweg kann der Musiker in die Wiedergabe selbst produzierten Klangmaterials mit den Möglichkeiten des Turntables manuell musikalisch eingreifen. Mehrere Klang-Ausdrucke, oder auch normales Bildmaterial, können in einer Collage in einen neuen akustischen und visuellen Zusammenhang gebracht werden. Es enstehen Ikonenbilder die nicht nur eine technisch-kausale sondern mehrschichtig-assoziative Ton-Bild Relation herstellen. Die Überlagerung einer Fotogra?e über den von der Apparatur lesbaren Code moduliert die akustische Information. Ähnlich verweist die Ikonographische Darstellung auf die akustische Information und verändert deren Wahrnehmung.

Stromtod engine rev.a

Gottfried Haider

Die Stromtod engine ist ein unvollendetes Experiment um die Mittel der Klangerzeugnung elektronischer Musik näher an den Körper des Interpreten zu bringen. In der gegenwärtigen Form besteht die Stromtod engine aus einem spielbaren T-Shirt, auf dem Bahnen aus leitendem Faden genäht sind. Der Spieler kann die Bahnen an jeder Stelle berühren und so – ähnlich einem Bandmanual – die Tonhöhe verändern. Auf dem T-Shirt ist ebenfalls eine runde Printplatte befestigt, in der man das Kleidungsstück über einen 3,5mm Klinkenstecker mit dem externen Oszillator-Board verbinden kann. Der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen Song des Hotel Morphila Orchesters (Bonus Tracks, Extraplatte, 1995).