Blackout – wie nahe kommt das fernsehen an mich heran 1974/75

@ Richard Kriesche

der künstler stellte in dieser medialen live-aktion sich und allen beteiligten die frage: wie nahe kommt das fernsehen an mich heran? – was macht das kommunikationsmedium fernsehen aus wirklichkeit? – welche wirklichkeit entwickelt das „fernsehen“ aus dem „nicht-sehen“?
während der aufzeichnung der sendung trug der künstler eine schwarze augenbinde. das „nicht-sehen“ grenzte den künstler aus – er hat in einen für ihn imaginären raum hineingesprochen. gleichzeitig war es aber auch seine intention, das fernsehpublikum mit seiner situation des „nichts-mehr-sehens“ zu konfrontieren: im fernsehen nichts als einen schwarzen bildschirm auf sendung zu sehen. auf dieser elektronisch-medialen ebene – so kriesche – befänden sich erstmals rezipient und produzent, künstler und publikum in einem identen realitätszustand. im schwarzen bildschirm wäre die realität des produzenten in die realität der rezipientinnen und rezipienten transformiert worden. durch die aufhebung des abstandes zum visuellen erscheinungsbild zog sich das sichtbare in den elektronischen raum zurück [anmerkung: dies wurde nicht erreicht, da der kameramann der anweisung des künstlers, an ihn so nah heranzukommen, dass nur noch die schwarze augenbinde zu sehen gewesen wäre, nicht nachkam bzw. nicht nachkommen durfte.]