Whiteout

© Seppo Gruendler

@ Richard Kriesche

Reinterpretaion des Werkes Blackout – wie nahe kommt das Fernsehen an mich heran
Richard Kriesche (1974/75)

Richard Kriesche „ stellte in dieser medialen live-aktion sich und allen beteiligten die frage: wie nahe kommt das fernsehen an mich heran? – was macht das kommunikationsmedium fernsehen aus wirklichkeit? – welche wirklichkeit entwickelt das „fernsehen“ aus dem „nicht-sehen“?
während der aufzeichnung der sendung trug der künstler eine schwarze augenbinde. das „nicht-sehen“ grenzte den künstler aus – er hat in einen für ihn imaginären raum hineingesprochen. gleichzeitig war es aber auch seine intention, das fernsehpublikum mit seiner situation des „nichts-mehr-sehens“ zu konfrontieren: im fernsehen nichts als einen schwarzen bildschirm auf sendung zu sehen. auf dieser elektronisch-medialen ebene – so kriesche – befänden sich erstmals rezipient und produzent, künstler und publikum in einem identen realitätszustand. im schwarzen bildschirm wäre die realität des produzenten in die realität der rezipientinnen und rezipienten transformiert worden. durch die aufhebung des abstandes zum visuellen erscheinungsbild zog sich das sichtbare in den elektronischen raum zurück.“
zitiert nach http://www.medienblock-richard-kriesche.at/Projekt26/

Seppo Gründler stellt in seiner Installation die Frage, wie nahe kommen wir an die Wirklichkeit heran ?
Was machen die Kommunikationsmedien, im speziellen ihre aktuelle Ausformung auch in Form von VR-Brillen, die in der Zwischenzeit an jeder italienischen Autobahnraststätte erhältlich sind, mit der Realität und der Kommunikation.
Indem das Publikium VR-Brille und Kopfhörer benutzen muss, betritt es scheinbar den gleichen Raum und befindet sich wie in Richard Kriesches „blackout“ in einem identitären Realitätszustand, diesmal noch deckungsgleicher, dennoch verschiedener als es nur sein könnte.
Bei Passivität und Bewegungslosigkeit wird Weißes-Rauschen akustisch und visuell zugespielt. Signaltheoretisch stellt das den einfachsten stochastischen Prozess dar.
Dem über einige Minuten ausgesetzt, erlebt jedes Individuum den Ganzfeld-Effekt, Halluzinationen hergestellt durch die perzeptuelle Deprivation.
Durch bewegung können aus dem Rauschen verschiedene Frequenzbänder, Töne und Muster herausgeschält werden, sehr reduzierte Formen und Klänge.
Damit steht es dem Publikum frei sich durch Passivität mit komplexen Halluzinationen zu bespielen oder durch Aktivität scheinbar zu rudimentäre Formen zu gestalten.
Wie Günther Anders in „Die Antiquiertheit des Menschen“ schreibt, können die zum tode Veruteilten wählen ob sie ihre Henkersmahlzeit süß oder sauer serviert haben wollen.
Derzeit befindet sich die Installation in einer Recherche- und Evaluierzungsphase.
Ob das Ausgangsmaterial für Rauschen und generierte Formen aus grundlegenden Bausteinen der Bild- und Tonsynthese bestehen wird oder aus Material der Sozialen Netze generiert wird steht noch nicht fest, auch andere ästhetische Parameter und die spezielle Hard- und Softwarekonfiguration werden derzeit erforscht. Zwischen high-end Konfigurationen wie HCT-Vive und low-cost Lösungen wir Google Cardboard ist noch alles denkbar.

Material: Bequemer Stuhl, VR-Brille Kopfhörer, Rechner