PROLOG REENACTING DARTMOUTH



Donnerstag 18. September 2025

Eröffnung 14:00
Begrüßung mit Seppo Gründler and Elisabeth Schimana

Einführung 14:30
Seppo Gründler - Von Würmern zur Dartmouth Konferenz
Geschichte und Evolution (Künstlicher) Intelligenz

Forschungsobjekte waren die Finanzierungsquellen, die eingeladenen Gäste, ihre wissenschaftlichen Hintergründe und ihre späteren Werdegänge, sowie die Frage ob aus den Biografien der Wissenschaftler, ihren wissenschaftlichen, politischen und persönlichen Hintergründen, Erkenntnisse über die Entstehung des Projekts gezogen werden können. Darüber hinaus sollen die technologischen Bedingungen, die das Projekt vorangetrieben haben, und die KI-Technologien, die direkt daraus hervorgegangen sind, skizziert werden.

Bemerkenswert ist, dass an dem Projekt nur zehn Männer teilnahmen. Über das Personal, das die Konferenz unterstützte, ist nicht viel bekannt. Die Teilnehmer verfügten über ein breites Spektrum an Fachwissen, darunter Informatik, Kognitionswissenschaften, Ingenieurwesen und Psychologie. Niemand, der mit Kybernetik oder Norbert Wiener in Verbindung steht, wurde auf Grund der Differenzen mit den Kybernetikern, eingeladen. Der Begriff Künstliche Intelligenz wurde bewusst gewählt, um das Projekt von der Kybernetik abzugrenzen.

Der englische Begriff Intelligence umfasst eine vielschichtigere Bedeutung als sein deutsches Pendant, wie das Beispiel der Central Intelligence Agency (CIA) zeigt. Eine Untersuchung des Begriffs in seinem philosophischen und soziologischen Kontext kann zu einem tieferen Verständnis der mit der KI verbundenen Lösungen und Herausforderungen beitragen. Darüber hinaus liefert die Betrachtung der Entwicklung der Intelligenz, von den frühesten Gehirnen, die vor etwa sechshundert Millionen Jahren in winzigen Würmern (Urbilateria) auftauchten, über die Gehirne von Primaten (Homo sapiens) bis hin zu Maschinen, die die menschlichen intellektuellen Fähigkeiten nachahmen, wertvolle Erkenntnisse.

Das Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence dient als zentraler Bezugspunkt in der Geschichte der Intelligenz. Es ermöglicht damit eine vergleichende Analyse der Entstehung von (künstlicher) Intelligenz und bietet eine hervorragende Quelle für faszinierende Biografien und Erzählungen.





Block 1 15:30

Elisabeth Schimana - Künstliches Leben, Neuronale Netze und das rechnende Gehirn
Dieser Block widmet sich den frühen 1990er Jahren und fragt nach dem Heute.

Als Studierende der Musikwissenschaft und Völkerkunde begegnete ich 1995 auf der Wissenschaftstheorie an der Universität Wien in sehr komprimierter Form diesen Begriffen und war fasziniert.

Christopher G. Langton propagierte in seinem 1988 erschienenen Artikel „Artificial Live“ Leben jenseits des auf Kohlenstoff basierenden Lebens innerhalb eines Computers oder einem anderen artifiziellen Medium. Als Komponistin und Musikerin elektronischer Musik waren Neuronale Netze für adaptive Filter und Mustererkennung, sowie Spracherkennung von großem Interesse. Und die Faszination unser Gehirn mittels Algorithmen zu modellieren beziehungsweise die Signalverarbeitung in unserem Nervensystem als Basis Artifizieller Neuronaler Netze zu nehmen ist bis heute geblieben. Das Wort Intelligenz war 1995 nicht von großer Bedeutung.



Marlies Temper - Künstliche Intelligenz verstehen: Die Technik hinter dem Hype

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Zukunftsthema mehr – sie beeinflusst bereits heute zahlreiche Lebensbereiche. Doch was steckt technisch hinter diesem Begriff? Der Vortrag bietet einen kompakten Einblick in die Grundlagen moderner KI-Systeme: von maschinellem Lernen und neuronalen Netzen bis hin zu aktuellen Herausforderungen wie Bias, Rechenleistung und Interpretierbarkeit. Ziel ist es, die Funktionsweise von KI verständlich zu machen und einen kritischen Blick auf ihre Möglichkeiten und Grenzen zu werfen.



Narly Golestani - Computergestützte Erkenntnisse über Gehirn, Sprache und Begabungen

Wie entsteht im Gehirn Sprache und warum unterscheiden sich unsere Fähigkeiten? Dieser Vortrag zeigt wie Anatomie und Erfahrung den auditorischen Kortex formen und wie maschinelles Lernen zur Sichtbarmachung verborgener Links zwischen Gehirnstruktur, Sprachfähigkeiten und Lernunterschieden beitragen kann. Zudem stelle ich computergestützte Dekodierungsmethoden, die es ermöglichen was das Gehirn hört „auszulesen“, vor. Dies eröffnet neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von Neurowissenschaften und KI.



Ulla Rauter - Flüsternde Netze

Ulla Rauter erforscht in ihren Arbeiten seit Jahren künstliche Stimmen, als Material und als Phänomen. Durch den Konstruktionsdrang des menschlichen Gehirns und die (Fehl-)Interpretationen der KI entstehen in ihren Werken poetische Momente an der Schwelle von Bedeutung und Rauschen. Das kreative Potenzial der KI liegt dabei nicht in der Perfektion der Nachahmung, sondern in den Lücken und Nischen des Systems – dort, wo Raum für Neues entsteht.