MASSIVE SOUNDS
The Tensioactive Interlayer (2023/24)
Tensioaktive Substanzen wirken unscheinbar, doch sind sie von entscheidender Bedeutung: Sie überwinden das, was sich abstößt – Flüssigkeiten mit scheinbar unüberbrückbaren Oberflächenspannungen finden durch ihre Hilfe zueinander. Ebenso durchdringt die Komposition Spannungen, löst sie auf, und verwandelt sie in neue Klanglandschaften. Sie spiegelt die Zerrissenheit unserer Welt wider, in der Widersprüche durch behutsame Vermittlung in eine fragile Harmonie überführt werden können.
Drei verschiedene Reibungen weisen den Weg: Oberflächen prallen aufeinander, Reibung entfacht Funken, bis sich ein neuer Klangraum auftut. Frequenzen verweben sich – scharf, kristallin – und offenbaren unerwartet eine eigene, flirrende Schönheit. Der Wandel beginnt: Das zuvor waagerecht Ausgedehnte kippt, fällt unter die Schwere des Rückpralls, wo der Klang seine neue Form sucht – und in der Vertikalen den Augenblick der Metamorphose findet.
Viola Sylvestris Espresso (2026)
Viola Sylvestris Espresso ist eine verdichtete Neufassung der ursprünglichen Komposition Viola Sylvestris, einer Auftragskomposition des Nationalparks Gesäuse und der Kunstsammlung des Stiftes Admont. Ausgangspunkt sind im Nationalpark gesammelte Naturgeräusche, die transformiert, geschichtet und als Exzerpt des Originals neu zusammengesetzt wurden.
Die neue Version konzentriert das Material zu einem dichten Geflecht aus überlagerten Klangspuren. Fragmente der lateinischen Pflanzennamen aus der Sammlung von Pater Gabriel Strobl treten nur noch bruchstückhaft hervor – wie botanische Schatten im Klangraum. Aus der ursprünglichen Naturbeobachtung entsteht eine komprimierte, spannungsgeladene Klangform: kurz, intensiv, konzentriert – ein akusmatischer Espresso.