DigiDic SummerWorkshop - Feministische Werkzeugkästen


22 08 24

Feministische Werkzeugkästen
Inspiriert vom Cyborg Manifesto Donna Haraways (1985) folgten viele Feministinnen deren „Traum einer gemeinsamen Sprache für Frauen im integrierten Schaltkreis“ und entwickelten cyberfeministische Aneignungsstrate-gien und subversive Kunstaktionen im Netz und darüber hinaus.

18:00
Die Kunst der Demaskierung von Macht. Werkzeuge und Taktiken teilen.
Keynote von Cornelia Sollfrank



Ein zentraler Aspekt der Arbeit von Cornelia Sollfrank ist die Frage, wie Kunst politisch wirksam werden kann. Wie können Künstler:innen durch den Einsatz neuer ästhetischer Praktiken ihrer gesellschaftlichen Verantwortung jenseits von Kunstmarkt und Stadtmarketing gerecht werden? Sie geht davon aus, dass herkömmliche Formen von Protest und Widerstand zu erwartbar sind und deswegen Verhältnisse eher verfestigen als verflüssigen. Inspiriert von dem Konzept der Organizational Aesthetics hat sie immer wieder neue Formen erschaffen, teils als Widerstand gegen konkrete Verhältnisse, teils als Weisen der Selbstorganisation und Zusammenarbeit. Eine wichtige Rolle spielen dabei die digitalen Technologien; einst als automatisch emanzipatorisch und empowernd visioniert, stellen sie heute einen Machtapparat dar, der kaum noch Freiräume zulässt.

In ihrem Vortrag stellt Cornelia Sollfrank ganz unterschiedliche Projekte vor, die über einen Zeitraum von über zwei Jahrzehnten entstanden sind, ihre eigenen und die ihrer Mitstreiter:innen. Sie vergleicht Strategien, evaluiert deren Impact, stellt Fragen nach Aktualität und Nachhaltigkeit und versucht Freiräume für Formen zeitgenössischer Praxis zu identifizieren. Dafür hat sie eine Reihe von zentralen Fragen herausgearbeitet und freut sich auf einen lebhaften Austausch.

18:45
Panel mit Cornelia Sollfrank, Reni Hofmüller, Jenny Pickett, Tamara Wilhelm und anschließender Diskussion moderiert von Eva Ursprung

20:00
SENSORium
Konzert von Reni Hofmüller



Das SENSORium besteht aus Sensoren zur Umgebungsmessung wie Geigerzähler und Magnetismus, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Feinstaub. Diese Sensoren liefern Daten in Echtzeit, die mittels PureData entweder direkt in Klang (Oszillatoren, Granularsynthese etc) umgewandelt werden oder indirekt als Auslöser dienen für andere, steuerbare Ereignisse (weitere Kompositionen, Lichtsteuerung, Lautstärke, usw.).

Die live gemessenen Daten werden in Klang umgesetzt und so wird die konkrete Umgebung hörbar: eine ganz neue Form von Klanglandschaft entsteht und Information, die uns Menschen mit unseren Sinnen gar nicht oder nur sehr eingeschränkt zugänglich wäre, wird sinnlich erfahrbar - ein neuer Klangraum entsteht.

Das SENSORium baut auf dem Radio Cyborg Transmitter RCT* auf, vom esc medien kunst labor Graz im Rahmen des Graz 2020 Kulturjahres produziert, konizipiert von Reni Hofmüller.

21:00
Power Lines Konzert von Solar Return (Julien Ottavi, Jenny Pickett)



Der Ausgangspunkt ihrer Klangarbeiten sind elektromagnetische Phänomene für die sie verschiedene Partituren für Dual Audio für Synthesizer/Oszillatoren/DIY-Elektronik usw. produzieren. Diese Partituren reflektieren die Muster und elektromagnetische Ereignisse von Sonneneruptionen oder innerstädtischen Mobilfunkmasten, sowie die unergründliche Audiowelt von Küchengeräten. In ihren Performances taucht das Duo tief in die Welt der Frequenzen, der Statik und des Klangs als physische Erfahrung ein. Ihre Performances entwickeln sich durch Frequenzen und Filter von Noise Crushern, Oszillatoren und Wellenformen und interagieren bei jeder Aufführung mit der unmittelbaren elektromagnetischen Umgebung, wobei eine VLF-Antenne (very low frequency) als Instrument eingesetzt wird, um die verborgenen Klanglandschaften und elektrischen Impulse zu enthüllen, die täglich unseren Körper massieren, unsere Wahrnehmung beeinflussen und Klänge, Geräusche und Musik intensivieren.