ring species
Eine Ringspezies besteht aus mehreren, formal eigenständige Arten, die sich kontinuierlich zu beiden Richtungen ihres ringförmigen Verbreitungsgebietes ändern. Hierbei handelt es sich um ein interessantes Problem der biologischenTaxonomie, wobei die Lehre der Klassifikation von Lebewesen in Frage gestellt wird. (bionity.com)
Meine Stimme ist mit Field Recordings von Vögeln, Insekten, Fröschen - von Lebewesen, die sich über Grenzen hinweg zwischen Luft, Wasser und Erde bewegen - verwoben. Diese finden in der Installation ring species einen utopischen Resonanzort jenseits ihres natürlichen Habitats.
Meinen Gesang maskiere ich hierfür mit Vogelpfeifen zu einem hybriden Stimmwesen mit changierenden, wirbelnden, trillernden, schrillenden, hauchenden, atmenden, singenden Klangfarben. Einige dieser Vogelpfeifen bewahren die Stimmen ausgestorbener Arten: obwohl der Vogel nicht mehr existiert, klingt seine Stimme noch im Objekt. Mit meiner künstlerischen Praxis stelle ich Beziehungen her, zwischen der menschlichen Stimme und dem Objekt Vogelpfeife, zwischen erinnertem, imaginiertem und ausgelöschtem Vogelgesang.
Durch Transformationen und Vermischungen entstehen imaginäre Wesen: Schnipsel von Vogel- und Affengesängen verflechten sich mit meiner Stimme oder gehen Call-and Response-Beziehungen ein. Meine Stimme pulsiert mit schwer zu lokalisierenden, quasi-elektronisch klingenden Zikadengesängen. Artifiziell-natürliche Vogelschwärme formieren sich.
Behält die Sängerin ihre Identität oder wird sie zum Anderen? Die Grenze zwischen dem Selbst und der Umwelt wird fließend, so dass diese an sich zu einer Illusion wird, und somit auf eine komplexere Realität verwiesen wird. Die Binaritäten von Tier und Mensch, Objekt und Mensch, Natur und Technik werden auf den Kopf gestellt zugunsten ineinander verwobener, auf Gegenseitigkeit beruhender Beziehungen. Die Installation ring species zeigt sich dabei als ein imaginäres instabiles Ökosystem, an der Grenze zum Kontrollverlust.