DigiDic Symposium

 

28 08 2020 – 29 08 2020
LAMES, Sonnenpark, Spratzerner Kirchenweg 81-83, 3100 St. Pölten
In Kooperation mit FH St. Pölten, FH Joanneum, mur.at und servus.at
Anmeldung öffentlicher Teil: office@ima.or.at
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Programm
Das Symposium gliedert sich in einen öffentlichen, für Publikum zugänglichen, und einen internen Teil.
Die genaue zeitliche Einteilung der Vorträge erfolgt kurzfristig.
Vortragssprache: Englisch

Freitag, 28 08 20
11:00 – 11:30 Einführung – Elisabeth Schimana
11.30 – 12:00 Eröffnungsvortrag, Keynote 1 – Gisela Schmalz
12:00 – 12:30 Kurzvorträge (je 10 min.)
12:30 – 13:00 Keynote 2
13:00 – 13:30 Kurzvorträge (je 10 min.)
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13:30 – 14:30 Mittagessen
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14:30 – 15:00 Keynote 3
15:00 – 16:00 Kurzvorträge (je 10 min.)
16:00 – 17:00 Pause
17:00 – 19:00 Fragerunde + Gruppenbildung
20:00 Abendessen

Samstag, 29 08 20
10:00 – 12:00 Gruppenarbeit
12:00 – 12:30 Pause
12:30 – 13:30 Präsentation der Gruppenarbeit
13:30 – 14:30 Mittagessen


Keynotes:
Gisela Schmalz | Neue Technologien – Neue Machtstrukturen
Vertreter mächtiger Technologiekonzerne von der US-Westküste und aus China treiben die Vernetzung und Automatisierung von allem und jedem voran. Und die Nutzenden erweisen sich dabei als deren beflissene Komplizen.

Was genau macht die aktuellen Big Tech- und Big Data-Firmen so mächtig? Und warum lassen Menschen es zu, dass ihnen unbekannte Instanzen Daten über sie sammeln und sie darüber dirigieren? Gisela Schmalz zeigt die komplexen Zusammenhänge sowie Auswege aus einer techno-induzierten Fremdbestimmung auf.

Klaudia Zotzmann-Koch (CCC Wien) | Dann haben die halt meine Daten. Na und?!
Was es bedeutet, wenn »die« meine Daten haben, ist schwer zu begreifen. Mehr noch, viele Rechtstexte wie AGB oder Datenschutzerklärungen sind absichtlich unverständlich und schwer zu lesen. Und die Werbeindustrie, Behörden und anderen Stellen nutzen bewusst aus, wie arglos und bequem wir Menschen sind. Unser Problem als Gesellschaft ist größer, als uns die Buzzwordbingos der Managementebenen allerorts weismachen wollen. Aber der mystische »Digital Native« wird’s schon richten. Oder etwa nicht?

Louis Cacciuttolo (VRrOOm) und Gero A. E. Egger (GO! Pictures KG) | How XR can be Europe’s second chance to lead the digital industry revolution

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Kurzvorträge:
Margarethe Maierhofer-Lischka (mur.at – Initiative Netzkultur) | jenseits des netzes, denken. orte, schnittstellen und ausdrucksformen für den austausch von wissen, ideen und praxis
wenn es heißt: unsere seele reist langsamer als unser körper, welcher
geschwindigkeit folgt dann unser digitales selbst? ich verstehe und
nutze vernetzte (digitale) infrastrukturen als schnittstellen zwischen
tun und denken. vielleicht ist es zeit, über das bild des cyborgs
hinauszudenken in die zwischenräume und reibungsflächen zwischen
technologie, welt und menschen.

Jogi Hofmüller (mur.at – Initiative Netzkultur) | David und die Goliaths – mur.at und GAFAM

Tassilo Pellegrini (FH St. Pölten) | Macht und Ohnmacht von Open Data Licensing
Open Data fördert die Marktkonzentration, obwohl dieser Mechanismus durch den angeblichen nichtkommerziellen und gemeinnützigen Charakter von Open Data-Initiativen verschleiert wird. Insbesondere Lizenzstrategien aus offenen und geschlossenen Lizenzmodellen kommerzieller Marktteilnehmer trägt zu diesen Entwicklungen bei. Dieser Vortrag gibt einen kritischen Einblick in hybride Datenlizenzierungsstrategien, wie sie zur Kommerzialisierung des Internets beitragen und Implikationen für eine gemeinwohlorientierte Internet-Policy.

Seppo Gründler (FH Joanneum) | Kapitulieren oder Mitmischen?
Warum Open Source-Software in der Designausbildung und in Unternehmen nicht häufig eingesetzt wird.
Die meisten Designer und Studenten arbeiten mit proprietären Betriebssystemen, Cloud-Diensten und Software.
Was sind die Vorteile und Fallstricke für das Unterrichten und Verwenden von Open Source-Software in einem marktorientierten Berufsfeld?
Wie können wir auf die Anforderungen der Kreativbranche an das fast vollständige Monopol der Adobe Cloud und ähnlicher Unternehmen reagieren?
Was sind erfolgreiche Beispiele und warum verkaufen die Studenten ihr geistiges Eigentum, stehlen aber Software?

Uschi Reiter (servus. at – Kunst und Kultur im Netz) | Nein, ich benutze ZOOM nicht!
ZOOM, ist nur ein Beispiel für Software, die sich während des Lockdowns
der Pandemieperiode so schnell wie der Covid-19-Virus selbst verbreitet
hat.

Ich werde den Spuren dieses Phänomens folgen und über meine Erfahrung
berichten, dass eine andere digitale Kultur möglich ist. Die Hoffnung,
dass sich das Verhalten einer breiten Masse im Umgang mit digitalen
Medien ändern wird, habe ich allerdings längst aufgegeben.

Lona Gaikis | Eine Übung in der Häresie von Daten. Die Co-Abhängigkeit der Kunst von sozialen Medien
Während sich die Rezeption von Big Tech in den frühen neunziger Jahren spaltete zwischen dem kritischen Aktivismus eines unsichtbaren Netzwerks von Medienkünstler*innen und der naiven Ignoranz des kommerziellen Kunstmarkts, scheint die heutige Kunstwelt als Ganze eine besondere Liaison mit dem Produkt, den sozialen Medien, eingegangen zu sein. Wie gehen wir weiter gegen Big Tech vor und wie können wir unserer eigenen Komplizenschaft bei der Stärkung dieser Macht entgehen?

Norbert Math | Bis wohin und nicht weiter?
Obwohl ich in meinem digitalen Leben zum großen Teil in FOSS unterwegs bin, verwende ich im Audio Bereich auch Produktionsmittel aus dem kommerziellen Umfeld – mit wachsendem Unbehagen und Misstrauen. Ich möchte – mich selbst
als Case Study darstellend – skizzieren: Ist der vollständige Umstieg auf FOSS jetzt unabdingbar geworden oder gibt es weitherhin Strategien im Umgagng mit der Datenkrake?

Eva Ursprung | UpStage: Die Bühne im Netz
Die Web-basierte “Cyberformance”-Plattform UpStage  (www.upstage.org.nz) wurde 2003 in Aotearoa (NZ) initiiert und von einer globalen Community von Künstler*innen, Open Source Software-Entwickler*innen und Forscher*innen weiterentwickelt.
“Cyberformance” bezeichnet internetvermittelte Live-Performance und nutzt Technologien des digitalen Theaters, von Chatfunktionen und Multi-User-Kollaboration bis zu Streaming und direkter Publikumsinteraktion. Zusätzlich wird über Mixed-Art und Mixed-Reality ein weites Spektrum an Handlungsmöglichkeiten eröffnet.

Reni Hofmüller (ecs Medienkunstlabor) | Reflexionen über den Alltag der Projektgestaltung im esc mkl in Beziehung zu den eingesetzten Werkzeugen
Die verwendeten Werkzeuge haben einen Einfluss darauf, wie sowohl Konzeption als auch Umsetzung von Werken realisiert werden können. Da wir uns im esc mkl immer darum bemühen, sowohl im Gespräch als auch in der praktischen Umsetzung unterstützend für die KünstlerInnen da zu sein, mit denen wir arbeiten, liegt uns auch daran, in der Wahl der Mittel auf offene Standards und freie Software zu setzen. Einerseits ermöglicht das den KünstlerInnen, bereits Vorhandenes legal an ihre Bedürfnisse anzupassen; andereseits tragen wir dazu bei, dass für spezifische technsiche Herausforderungen Lösungen entstehen, die auch von anderen weiterverwendet und auch wiederum adaptierbar sind. Mit Beispielen aus der Praxis.

Herbert Waloschek (Chaos Computer Club Wien) | Wozu noch Diktatur? Wie wir Dank Konsum und Unterhaltung die Liebe zur Sklaverei entwickeln
– In welcher Welt leben wir?
3000 Attribute für jeden bei Facebook,
In den USA kann man Identifizierung und Aufenthalt jedes Menschen
kaufen.
In Europa: Vorratsdatenspeicherung abgeschafft,
Datenschutz-Grundverordnung,
Export von Personendaten in die USA nicht erlaubt: reicht das?
Haben die Privilegien von Unternehmen Priorität gegenüber
Menschenrechten?

– In welcher Welt wollen wir leben?
Von Menschenrechten und dem Recht auf gutes Leben

– Was können wir tun?
Wo können wir ansetzen?

Martina Eigelsreiter (Büro für Diversität, St. Pölten) | Diversität und das Recht auf Teilhabe
Diversität inkludiert einerseits die Kerndimensionen Geschlecht/Gender, Alter/Generationen, Hautfarbe/Ethnizität/Nationalität, Behinderungen/Beeinträchtigungen, sexuelle Identität sowie Religion und Weltanschauung, schließt andererseits aber auch Aspekte wie wirtschaftliche Situation, soziale Rahmenbedingungen, Ausbildung, Sprache, geografischen Lage, Berufserfahrung/Art des Arbeitsverhältnisses, technologischen Infrastruktur, Computerkenntnisse und Informationskompetenz ein. All diese Aspekte müssen berücksichtigen werden, allerdings steht bei der Digitalisierung oft der technische Fortschritt im Mittelpunkt. Somit riskieren wir eine Maschinenintelligenz-Entwicklung, die eine sehr begrenzte und auch privilegierte Vision der Gesellschaft mit den altbekannten Vorurteilen und Stereotypen widerspiegelt.


Dieses Symposium ist die Initialveranstaltung zur Entwicklung widerständiger Strategien in Form künstlerischer Projekte. Basierend auf den Ergebnissen dieses Symposiums und weiterer Worklabs werden die dadurch entstandenen Arbeiten in einer Ausstellung im Herbst 2021 präsentiert.